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„Full Version“ von „Tanz auf dem Vulkan“ als Online-Ausgabe

Wie an anderer Stelle ja bereits geschrieben, haben sich in die Print-Ausgabe unseres Heftes einige Fehler eingeschlichen, es fielen sogar einzelne Beiträge weg. Diese wurden nun in der digitalen Version der Zeitschrift, die unter dem Link „Zeitschrift digital“ einsehbar ist, weitgehend korrigiert.

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht,
die Redaktion

Tanz im Kreuzfeuer der Krise – Zur Motivation, Positionierung und Konzeption der Zeitschrift

Vorbemerkung:

Der folgende Artikel vom Redaktionsmitglied Jonathan Klein erschien in der letzten Ausgabe der Zeitschrift des AStA der Goethe-Uni Frankfurt. Er stellt eine Selbstdarstellung unseres Projekts dar. In der Zeitschrift ist unmittelbar davor ein Artikel der LiLi zu ‚Blockupy‘ abgedruckt. Abgesehen davon, dass es auch in diesem Artikel um ‚Blockupy‘ geht, stehen die Artikel in keinerlei Bezug zueinander – unser Artikel ist also nicht, wie die Anordnung in der Zeitschrift suggerien könnte, als Antwort oder Reaktion auf den der LiLi zu verstehen.

Die Redaktion

 

Tanz im Kreuzfeuer der Krise – Zur Motivation, Positionierung und Konzeption der Zeitschrift
(Jonathan Klein für die Redaktion der Zeitschrift „Tanz auf dem Vulkan“)

Motivation des Projekts

Angelehnt an Klaus Manns Roman „Der Vulkan“, spiegelt unsere Namenswahl die Einschätzung wider, dass einerseits angesichts der Verschiebung und Fortentwicklung der gegenwärtigen Krise des Kapitalismus (Immobilien- zu Finanzmarkt- zu Staatsschulden- und Eurokrise zu ?) auch den Zentren des kapitalistischen Weltsystems zukünftig eine immer autoritärere Krisenbewältigungspolitik, sowie zunehmend rechtlich-entbundene staatliche Repression und immer umfassendere gesellschaftliche Verelendung drohen; jedoch andererseits ein gesellschaftliches Verdrängungsprogramm aus Stress, Routine und Erlebniskultur gegenwärtig dazu verleitet, die Bedrohlichkeit dieser Situation in weiten Teilen der deutschen Öffentlichkeit nicht adäquat wahrzunehmen.

Dieser weitverbreiteten Teilnahms- und Orientierungslosigkeit in Angesicht sich objektiv zuspitzender Probleme gilt es entgegenzuwirken. Denn als Begleiterscheinung solcher Entwicklungen lässt sich eine real immer ohnmächtigere und verunsicherte Masse voraussehen, welche die Gefahren reaktionärer Maßnahmen und Bewegungen mit zunehmender Zuspitzung der sozio-ökonomischen Probleme nur größer werden lässt.

Die Antwort auf die gegenwärtige Lage kann also nicht sein, Ohnmacht und Passivität der Menschen hinzunehmen und sich mit dem gegenwärtigen Zustand irgendwie arrangieren zu wollen. Vielmehr muss es darum gehen, die Eigeninitiative und gemeinsame Handlungsfähigkeit der Menschen durch politische Praxis und Prozesse der Selbstaufklärung voranzutreiben, um Möglichkeiten einer emanzipatorischen Krisenüberwindung zu schaffen. Dafür müssen politische Praktiken entwickelt werden, die über die Grenzen subkultureller Milieus hinausführen.

Die Blockupy Aktionstage vom 16.-19. Mai, waren ein solcher Versuch: Ein breites Bündnis verschiedener linker bis linksradikaler Gruppen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands und Europas kam in Frankfurt zusammen, um gegen die autoritäre Krisenbewältigungspolitik von EU, EZB und IWF zu demonstrieren – als Zeichen des Widerstands gegen den mittels von „Schock-Therapien“ geführten „Klassenkampf von oben“ und als Zeichen länderübergreifender Solidarität.
Neben eines angesichts dieser Situation nur allzu dringlich gebotenen Protests und Widerstands, ist die Besetzung von öffentlichen Plätzen, das Zusammenbringen verschiedener Menschen im Stadtzentrum, verbunden mit der Teilnahme an gemeinsamen politischen Aktionen auch eine Möglichkeit wichtige Politisierungs- und Organisierungsprozesse anzustoßen. Zwar müssen solche Politisierungsprozesse über spektakuläre Aktionen dieser Art hinausgehen und als lokale Widerstandspraktiken, in den Lebensverhältnissen des Alltags, in Arbeit, Schule, Stadtviertel usw. wirkliche, konkrete Inhalte finden. Doch können kollektive Aktionen wie Blockupy, wichtige erste Impulse für breiter angelegte Politisierungsprozesse dieser Art sein.

Vor diesem Hintergrund, war die Zeitschrift unser Versuch diese Aktionen zu unterstützen, unsere Positionen in diese Proteste einzubringen und durch radikale (die Probleme an der Wurzel packende) Analysen, einen Beitrag zum besseren Verständnis der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen zu leisten.

 

Positionierung der Redaktion
Dabei war das Projekt von Anfang an darauf angelegt, eine die Protest-Aktionen zwar begleitende, aber dennoch unabhängige Zeitschrift herauszugeben. Grund dafür war, dass wir nicht alle an diesen Protesten beteiligten Positionen integrieren, sondern nur uns treffend erscheinenden Analysen zu einer breiteren und wichtigen Öffentlichkeit verhelfen wollten.

Unserer Position liegt dabei die Auffassung zugrunde, dass die gegenwärtigen Krisenprozesse nicht einfach als Ergebnis einer neoliberalen Politik verstanden werden können, bzw. dass der politische Erfolg der neoliberalen Ideologie selbst als Symptom bestimmter Probleme innerhalb des kapitalistischen Akkumulationsprozesses verstanden werden muss. Marx folgend, begreifen wir den Kapitalismus als inhärent widersprüchlich und somit der eigenen Logik nach krisenhaft: Krisen sind kein Fehler des Systems, sondern notwendiger Bestandteil desselben. Entsprechend kann eine wirkliche Überwindung der Krise nur durch eine grundlegende Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse, die Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Lebensweise stattfinden.

Dabei haben wir uns jedoch auch bewusst dagegen entschieden, andere im Rahmen des Blockupy-Spektrums anzutreffende Krisenanalysen als falsch zu verdammen. Vielmehr ging es uns darum, Materialien zur Verfügung zu stellen, die denjenigen, die Fragen zur Krise und den gesellschaftlichen Entwicklungen haben, die Möglichkeit geben tiefer zu graben, weiter zu denken und somit selbst zu einem besseren Verständnis der sozio-ökonomischen Situation zu gelangen.

Ein solches intellektuelles durchdringen der gesellschaftlichen Lage halten wir für wichtig, da sich nur auf der Grundlage realistischer Einschätzungen sinnvolle Zielsetzungen und effektive Formen des Widerstands konzipieren lassen. Sollten solche Analysen fehlen, läuft man hingegen Gefahr, das Fieber als die Ursache der Krankheit zu bekämpfen: Und dabei zu immer drastischeren, blinden, bestenfalls wirkungslosen und schlimmstenfalls gefährlichen Maßnahmen zu greifen. Aber gerade aufgrund der Gefahren reaktionärer Impulse, wie sie sich auch aus kapitalismuskritischen Positionen ergeben können, dürfen in den gegenwärtig entstehenden Protestbewegungen radikal-linke Positionen nicht fehlen! Es muss darum gehen, die Leidenserfahrungen der Menschen ernst zu nehmen und gleichzeitig Analysen anzubieten, die über diffuses Unwohlsein, Wut und Empörung hinausweisen.

Inhalt und Konzeption der Zeitschrift

Die Zeitschrift beginnt mit einer konstruktiv-kritischen Einschätzung der Blockupy-Aktionen – eine Einschätzung, die durch die realen Entwicklungen weitestgehend bestätigt wurde. Daran an schließt ein Artikel zur Besonderheit Frankfurts, als eine vom Finanzkapital und dessen Interessen dominierte Stadt. Auch diese Tatsache wurde durch den Ausnahmezustand, in den der massive Polizeieinsatz die Innenstadt während der Aktionstage versetzte, sehr anschaulich unterstrichen. Es folgen ökonomische Krisenanalysen, ein Schwerpunkt zu Europa und Griechenland, einschlägige radikal linke Positionen zur Debatte um den Verbleib Griechenlands in der Eurozone, ein Blick auf geschlechtsspezifische Auswirkungen der Krise, strategische Überlegungen zu Studierendenprotesten in der gegenwärtigen Krise, sowie ein Text zur Verbindung von Kapitalismus und Rassismus als Dauerkrise der Menschenrechte. Den Abschluss machen ein kultur-und ideologiekritischer Artikel zur Erlebniskultur und ein Artikel, der der Frage nach der Gefahr und den sich abzeichnenden Mustern eines reaktionären Bewusstseins in der Krise nachgeht.
Zusätzlich zu diesen verschiedenen Themen und mitunter auch divergierenden Positionen, strebt die Zeitschrift eine Verbindung von Kunst und politischer Analyse an, durch sowohl die künstlerischen Beiträge im Heft als auch die kulturkritischen Texte. Diese Form soll dabei selbst praktischer Inhalt sein: denn ein Grundproblem kapitalistischer Gesellschaften ist die Spezialisierung und Selbstbezüglichkeit der Gesellschaftsbereiche, wie sie auch für politische Praxis in der linken Szene kennzeichnend sind. Dabei werden die spezialisierten Teilbereiche vom umfassenderen Leben getrennt und entwickeln zunehmend selbstreferentielle Dynamiken. Emanzipatorische Praxis muss daher nicht nur der herrschenden Politik eine Alternative entgegensetzen; sondern auch danach streben verhärtete Trennungen verschiedener Gesellschafts- und Lebensbereiche überwindbar zu machen. Außerdem laufen rein ökonomische und politische Analysen Gefahr, die Tendenz der Reduzierung menschlicher Aktivität auf vordefinierte Logiken zu unterstützen und somit selbst zur tendenziellen Verwandlung von Menschen in Automaten beizutragen. Durch die Verbindung verschiedener Positionen und Themen sowie Wissenschaft und Kunst geht es also auch darum, eine der Darstellungsform nach praktische Kulturkritik zu entwickeln.

Die Umsetzung dieser Überlegungen, sowie die auf einfache Verständlichkeit angelegte Darstellung komplexer gesellschaftlicher Zusammenhänge stellten sich jedoch selbstverständlich als schwierig dar. Zudem konnten viele angedachte Themen (darunter Krise und Militarisierung, die Lage der Arbeiterklasse in Deutschland sowie praktische Überlegungen zu Revolution und Vorstellungen über einen radikal emanzipatorischen Gesellschaftsentwurf) leider nicht realisiert werden. Diese und andere, auch aufgrund des Zeitdrucks und der knappen menschlichen Arbeitskraft notwendigen Abstriche (auch in dieser Hinsicht: Zeitschrift in der Krise), lassen sich jedoch auch als Stellungnahme gegen den Perfektionismus deuten: eine weit verbreitete Quelle von Tatenlosigkeit und Selbstentmächtigung. Das heißt nicht, dass wir eigene und fremde Kritik nicht ernst nehmen und im nächsten Projekt nicht hoffentlich Vieles besser machen werden. Aber wir sind überzeugt, dass auch in dieser Form die versammelten Beiträge äußerst lesenswert sind und einige zentrale Aspekte der Krise erhellen.

Diese schreitet derweil scheinbar unaufhaltsam voran. Es liegt auch an uns Studierenden, in Zukunft breiteren und effektiveren Widerstand gegen diese immer krisenhaftere Ordnung zu mobilisieren und zu unterstützen!

Zur aktuellen Lage des IvI

Wir möchten diese Seite nutzen, um auf die aktuelle Lage des IvI aufmerksam zu machen. Seit der Besetzung des Kettenhofweg 130 im Jahr 2003 ist das „Institut für vergleichende Irrelevanz“ im Kettenhofweg 130 ein nicht mehr weg zu denkender Bestandteil der alternativen Kulturszene in Frankfurt. Kapitalismuskritische, institutionsunabhängige Wissenschaft, Kunst und Politik haben hier einen festen Platz. Auch unser Projekt wäre ohne das IvI nicht möglich gewesen. Auch wir konnten das IvI für unsere Redaktionstreffen nutzen und würden dies auch gerne weiterhin tun.
Ende Februar wurde plötzlich bekannt, dass das IvI an den Investor „Franconofurt“ verkauft wurde. Am vergangenen Dienstag, den 22. Mai, schaffte „Franconofurt“ nun Fakten: Mitarbeiter der Firma statteten dem Gebäude morgens einen Besuch ab, bauten die Eingangstür aus und kappten die Strom- und Wasserversorgung. Sie drohten damit, in 14 Tagen wiederzukommen und das Gebäude „selbst“ zu räumen. Diese Ankündigung wurde auch seitens der Presse von „Franconofurt“ wiederholt. Das Projekt „IvI“ ist so hoch gefährdet. Langfristig geplante Projekte wie die Tagung „Kunst – Erkenntnis – Problem“, die vom 22. bis 24. Juni im IvI stattfinden soll (website: www.kunst-erkenntnis-problem.de), und das IvI-Festival, das am zweiten Juli-Wochenende stattfinden soll, stehen nun unter Umständen plötzlich ohne Raum da.

Die Redaktion erklärt ihre Solidarität mit dem IvI und ruft zur Solidarisierung auf.

Es gibt eine Online-Petition: http://www.ipetitions.com/petition/ivi/

Weitere Informationen finden sich auf der Seite des IvI: http://ivi.copyriot.com/

In unserer Zeitschrift geht insbesondere der Artikel Schauspiel Frankfurt von Thiel Schweiger auf das IvI ein. Wir werden dazu in den nächsten Wochen noch einen umfangreichen Artikel auf dieser website veröffentlichen.

Zeitschrift digital da

Wegen dem hohen Interesse an unserer Zeitschrift haben wir jetzt erstmal den Inhalt der Zeitschrift, also alle Artikel außer den Umschlag, zum Download als pdf bereit gestellt. Das Dokument ist in der Rubrik „Inhalt“ abrufbar.

Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass sich in diese Version, die mit der ausgedruckten, die wir verteilt haben, identisch ist, zahlreiche Fehler eingeschlichen haben. Manche fallen auf, andere nicht. Wir werden daher von den meisten Artikeln korrigierte Versionen in den nächsten Wochen auf dieser website bereit stellen.

Zeitschrift digital

Hallo,

da wir alle über die „Blockupy“-Aktion mit dem Verteilen der Zeitschrift beschäftigt waren, haben wir es bisher leider nicht hingekriegt, eine digitale Version der Zeitschrift hier online zu stellen. Diese folgt aber für alle Interessierten in Kürze.

Die Redaktion

Pjotr G. Distelkranz: „Variationen über das Wort ‚Krise‘ „

Auch den besten passieren Fehler. So fehlen in dem gedruckten Heft drei Gedichte von Pjotr G. Distelkranz und Ignatius Tremor, die ursprünglich in das Heft rein sollten, beim hektischen Endlayout jedoch unter den Tisch fielen. Sie sollen nun zumindest auf der website veröffentlicht werden. Den Beginn macht Pjotr G. Distelkranz‘ speziell für die Zeitschrift produzierte Arbeit Variationen über das Wort „Krise.

Die Redaktion wünscht eine gleichermaßen unterhalt- und lehrsame Lektüre.

***

Variationen über das Wort „Krise“

Oh Liese,

wie hab’ ich diese

globale Finanzmarktkrise

satt.

Auf den Devisen-

märkten steigen die Miesen

riesen-

haft.

Und die Menschen,

speziell die Griechen

siechen.

Doch auf den Wiesen

die Primeln

sprießen,

Fortunen Blüten vergießen

auch in dieser

tristen

Stadt.

Wüssten doch die fiesen

miesen

Krisen-

macher um die sieben

Tore und das siebte

Siegel

aus Achat.

Wären dann die Fliesen

zum bespiegelnden

bespielen

nicht

so hart?

Wie könnt’ ich diesen

Lauf auf Spießen

nur je genießen?

Sag!

Darum laute die Devise:

„Krise“

kommt von „kiesen“!

Krieche,

fließe

oder fliehe,

jedenfalls: siehe,

die Krise

findet

statt.

Ich begrüße

sie beflissen,

doch ohne Liebe,

matt,

statt-

dessen begieße

ich die Sitze

des Krisen-

tums mit Diesel

und brennendem Phosphat.

Hallo Welt

Nur eine weitere Seite einer linksradikalen Zeitschrift …

In Kürze mit mehr Inhalt und irgendwann auch mit unserer Zeitschrift als pdf. In gedruckter Form wird ab Ende dieser Woche in vielen deutschen Städten, schwerpunktmäßig jedoch im Rhein-Main-Gebiet, kostenlos zu erhalten sein.

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